Dieser Leitfaden erklärt, wie Sie mit einfachen Messungen ermitteln, wie viele Wände Ihr WLAN-Router zuverlässig überbrückt und welche Lösungen ohne 4G sich für Außenkameras eignen.

Ein typischer Heimrouter schafft in der Praxis zuverlässig etwa zwei, manchmal drei leichte Innenwände; bei dicken Ziegel- oder Betonwänden sollten Sie eher nur mit einer Wand rechnen, wenn Sicherheitskameras draußen stabil laufen sollen. Alles darüber hinaus ist ein Risikobereich, den Sie testen und mit zusätzlicher Infrastruktur absichern sollten.

Die Einfahrtkamera friert ein, der Livestream vom Gartentor bricht genau dann ab, wenn sich jemand an Ihrem Zaun zu schaffen macht – drinnen im Wohnzimmer zeigt das Handy noch vollen Empfang, draußen ist Funkstille. Mit wenigen gezielten Reichweitentests pro Wand lassen sich aus solchen „Problemhäusern“ in unter einer Stunde stabile Strecken für Außenkameras und Sensoren machen. Sie erfahren jetzt, wie Sie realistisch prüfen, wie viele Wände Ihr Router wirklich schafft, und welche Lösungen Sie wählen, wenn Sie auf 4G verzichten wollen.

Warum die Reichweite über Wände für Außenüberwachung entscheidend ist

Gebäudegrundriss, Wandstärken und Material entscheiden maßgeblich darüber, ob Ihr Funknetz stabil genug für Kameras, Sensoren und Sirenen ist, die über mehrere Räume und Etagen hinweg angebunden werden sollen, wie die Faktorenübersicht zu Netzwerken erklärt Gebäudegrundriss, Wandstärken und Material entscheiden maßgeblich. Besonders bei Außenüberwachung ist Instabilität kein Komfortproblem, sondern ein Sicherheitsrisiko: Fehlalarme, abreißende Videostreams und Lücken in Aufzeichnungen entstehen fast immer zuerst an den Funkrändern – also genau dort, wo Grundstück und öffentliche Bereiche aufeinandertreffen.

Wer Außenüberwachung ohne 4G aufbauen möchte, reduziert Abhängigkeiten von Mobilfunknetzen, SIM-Verträgen und zusätzlichen Angriffspunkten. Die Konsequenz: Das interne WLAN muss den kompletten Weg von der Internetanbindung bis zur letzten Kamera zuverlässig leisten. Ob das mit einem einzigen Router und mehreren Wänden dazwischen möglich ist, klären Sie nicht im Prospekt, sondern mit einem gezielten Reichweitentest.

Physik statt Prospekt: was ein normaler Router wirklich schafft

Unter Idealbedingungen im Freien, mit freier Sichtlinie, erreichen typische Router auf 2,4 GHz grob 45–60 m, auf 5 GHz eher 30–45 m, bevor die Verbindung unbrauchbar wird Unter Idealbedingungen im Freien, mit freier Sichtlinie, erreichen. In realen Innenräumen mit Wänden, Möbeln und Störungen schrumpft diese Reichweite typischerweise auf etwa 40–90 % der Idealwerte, oft bleibt effektiv nur ein Radius von etwa 6–9 m auf 5 GHz innerhalb einer Etage übrig.

Viele Hersteller nennen Flächenangaben wie 150 m² oder mehr, doch diese Zahlen blenden aus, dass der Router in Wirklichkeit ein dreidimensionales Funkfeld ausstrahlt und jede Wand einen Teil des Signals „auffrisst“ Viele Hersteller nennen Flächenangaben wie 150 m² oder mehr. Je weiter Ihr Gerät vom Router entfernt ist und je mehr Wände dazwischen liegen, desto schlechter wird der Signal-Rausch-Abstand – und genau der entscheidet darüber, ob ein Videostream stabil bleibt.

Physikalische Hindernisse sind der größte Feind der Reichweite: Dünne, poröse Wände aus Trockenbau oder leichter Ziegelkonstruktion können etwa 5–30 % der Signalstärke pro Wand schlucken, dickere Wände 20–40 %, während massive Beton- oder Ziegelwände und Fliesenwände durchaus 30–50 % oder mehr pro Durchgang kosten. Bei sehr dicken, nicht porösen Wänden sind sogar 50–90 % Dämpfung möglich, sodass von einem ohnehin geschwächten Signal kaum noch nutzbare Leistung übrig bleibt.

Frequenzbänder verstärken diesen Effekt: Das klassische 2,4‑GHz‑Band bietet eine größere Reichweite und dringt besser durch Wände, ist aber langsamer und deutlich stärker von Störungen durch andere Haushaltsgeräte betroffen. Das 5‑GHz‑Band liefert hohe Datenraten, fällt aber über die Distanz schneller ab und leidet stärker unter Hindernissen; im Innenbereich sind 15–30 m typisch. Moderne Standards wie Wi‑Fi 7 verbessern vor allem Durchsatz und Effizienz, nicht die rohe Reichweite, da sie dieselben Frequenzbänder nutzen.

Wie viele Wände sind realistisch? Daumenregeln statt Wunschdenken

Praktisch stellt sich die Frage selten als „Wie viele Meter?“, sondern als „Wie viele Wände liegen zwischen Router und Kamera, und woraus bestehen sie?“. Typische Innenwände aus Trockenbau oder leichter Ziegelkonstruktion fallen in die Kategorie „dünn, porös“ mit 5–30 % Dämpfung pro Wand. Außenwände, Betondecken oder geflieste Badezimmerwände zählen zu „dick, nicht porös“ und liegen häufig bei 30–50 % oder mehr Verlust pro Wand.

Für Sicherheitsanwendungen hat sich folgende konservative Planung bewährt: Mit 2,4 GHz sind in vielen Wohnungen zwei bis höchstens drei leichte Innenwände zwischen Router und Gerät praktikabel, bevor die Signalreserve für Videoüberwachung dünn wird. Auf 5 GHz sollten Sie für kritische Geräte mit ein bis zwei Innenwänden rechnen; eine zusätzliche massive Außenwand kann die Strecke so an die Belastungsgrenze bringen, dass Streams bei schlechtem Wetter oder Störungen zuerst dort abbrechen.

Zur Einordnung hilft ein Blick auf typische Signalstärken in dBm: Direkt neben dem Router sehen Sie häufig Werte um −30 bis −40 dBm, was exzellent ist. Werte um −60 dBm gelten in der Praxis als gut und zuverlässig, um −70 dBm ist das Signal deutlich schwächer, und ab etwa −80 dBm bricht die Verbindung häufig ab oder wird extrem instabil. Wenn jede normale Innenwand 5–10 dB kostet und eine massive Außenwand noch einmal 10–20 dB, ist nachvollziehbar, dass nach wenigen Wänden nur noch ein schmaler Sicherheitsabstand zu problematischen Pegeln bleibt.

Beispiel: Einfamilienhaus mit Einfahrtkamera

Stellen Sie sich ein typisches Einfamilienhaus vor, Router im Arbeitszimmer in der Mitte des Erdgeschosses. Bis zur geplanten Kamera an der Einfahrt liegen zwei Innenwände und eine Außenwand. Nehmen wir vereinfacht an, Sie starten im selben Raum bei −40 dBm und jede Innenwand schluckt 7 dB, die Außenwand 15 dB. Nach der ersten Wand landen Sie bei etwa −47 dBm, nach der zweiten bei −54 dBm, hinter der Außenwand bei ungefähr −69 dBm.

Dieser Wert kann noch funktionieren, ist aber für eine kritische Kamera bereits grenznah: Weitere Dämpfung durch Regen, Fahrzeuge, Pflanzen oder zusätzliche Störquellen drückt den Pegel schnell in einen Bereich, in dem Artefakte, Verzögerungen und Aussetzer zunehmen. Dass reale Wände nach Messungen in Wohngebäuden durchaus pro Stück 30 % oder mehr der Signalstärke kosten, bestätigt die Vorsicht. Anstatt sich auf Glück zu verlassen, ist ein strukturierter Reichweitentest deshalb Pflicht.

Schritt-für-Schritt-Reichweitentest ohne Spezialhardware

Schritt 1: Router optimal platzieren

Bevor Sie die Reichweite messen, bringen Sie den Router an den bestmöglichen Ort: Eine zentrale, leicht erhöhte und möglichst freie Position ist der stärkste einzelne Hebel für WLAN-Qualität Eine zentrale, leicht erhöhte und möglichst freie Position. Stellen Sie das Gerät nach Möglichkeit in die Mitte der Wohnung oder des Hauses, nicht in eine Ecke, nicht in den Keller und nicht in einen Schrank.

Wände, Möbel, Metall und Wasserbehälter in unmittelbarer Nähe dämpfen oder reflektieren das Signal deutlich Wände, Möbel, Metall und Wasserbehälter in unmittelbarer Nähe. Für Außenüberwachung heißt das konkret: Platzieren Sie den Router dort, wo zwischen ihm und den geplanten Außenkameras möglichst wenige massive Wände liegen, und eher hoch auf einem Regal als am Boden hinter dem Fernseher.

Schritt 2: Signalpegel pro Wand messen

Für den Reichweitentest genügt ein Smartphone mit einer WLAN-Analyse-App, die den Pegel in dBm anzeigt. Starten Sie direkt neben dem Router, notieren den Wert und gehen dann Schritt für Schritt durch das Gebäude: hinter die erste Wand, hinter die zweite, in den Flur, an die Haustür, jeweils mit kurzem Stopp, damit sich der Wert stabilisiert.

Als Orientierung für die Auswertung dienen die folgenden in der Funkplanung gängigen Bereiche.

Signalpegel (dBm)

Bewertung

Eignung für Außenüberwachung

−30 bis −50

sehr gut bis exzellent

große Reserve, ideal für Kameras

−50 bis −60

gut

meist stabil, ausreichend Reserve

−60 bis −70

grenznah

okay für normale Nutzung, kritisch für Videoübertragung

unter −70

schwach

für Kameras und Sensoren nur mit Risiko

Wenn Sie bereits nach zwei Innenwänden dauerhaft unter etwa −65 dBm landen, sollten Sie nicht damit rechnen, dass hinter einer massiven Außenwand noch genügend Reserve bleibt. In vielen Praxisprojekten zeigte sich, dass zuverlässige Außenüberwachung erst ab etwa −60 dBm und besser dauerhaft robust läuft, insbesondere wenn mehrere Kameras gleichzeitig streamen.

Schritt 3: Außenstrecken gezielt simulieren

Im nächsten Schritt simulieren Sie die geplanten Außenpositionen. Stellen Sie sich mit dem Smartphone direkt an die Innenseite der Außenwand dort, wo später eine Kamera hängen soll, und messen den Pegel. Gehen Sie dann auf die Außenseite und prüfen, wie stark der Wert weiter abfällt.

Besonders kritisch sind Bereiche, in denen das Signal durch mehrere Schichten gehen muss, etwa zwei Innenwände plus Außenwand oder Außenwand plus Garage. Untersuchungen zeigen, dass dicke Wände und größere Distanz die Hauptursachen für schwache Signale sind, während eine kluge Platzierung des Routers viele Probleme bereits löst Untersuchungen zeigen, dass dicke Wände und größere Distanz. Wenn Sie draußen noch Werte im Bereich von −60 bis −65 dBm erreichen, ist die Chance gut, dass 2,4‑GHz‑Kameras sauber arbeiten; bei schlechteren Werten sollten Sie Lösungen ohne zusätzliche Wände dazwischen einplanen.

Wenn die Reichweite nicht reicht: Optionen ohne 4G

Router versetzen statt Leistung „hochdrehen“

Die Sendeleistung des Routers künstlich hochzusetzen wirkt oft verlockend, löst aber selten das Kernproblem und kann Nachbarn stören. Stattdessen sollten Sie den Router so versetzen, dass wichtige Strecken weniger Wände durchqueren müssen (siehe Deutlich zielführender ist es, den Router so zu versetzen). Für Außenüberwachung bedeutet das häufig, den Router von einer Hausecke in einen zentraleren Flur oder in die Nähe der Außenwand zu bringen, hinter der die meisten Kameras sitzen.

Schon ein Versatz um wenige Meter und das Herausnehmen einer massiven Wand aus der direkten Funklinie kann mehr bringen als jedes theoretische Leistungsplus. Wiederholen Sie nach einer Umpositionierung kurz den Reichweitentest, bevor Sie weitere Hardware anschaffen.

Repeater, Mesh oder Powerline: welche Technik wofür?

Wenn trotz optimaler Positionierung zu viele Wände zwischen Router und Außenbereich liegen, benötigen Sie zusätzliche Infrastruktur. Einfache WLAN-Repeater greifen das vorhandene Signal auf und senden es weiter; sie funktionieren gut in kleineren Umgebungen, halbieren aber oft effektiv die nutzbare Bandbreite und reagieren empfindlich auf schlechte Aufstellorte.

Mesh-Systeme setzen stattdessen auf mehrere koordinierte Knoten, die gemeinsam ein einheitliches Netz bilden und auch in Häusern mit vielen Wänden eine gleichmäßigere Abdeckung bieten Mesh-Systeme setzen stattdessen auf mehrere koordinierte Knoten. Für Außenüberwachung ohne 4G ist ein Mesh-Knoten in der Nähe der Hauswand zum Garten ein bewährtes Muster: Der Knoten hängt per WLAN oder, ideal, per Ethernet am Hauptrouter und versorgt dann Kameras und Sensoren draußen aus deutlich kürzerer Distanz.

Powerline-Adapter oder verlegte Ethernet-Kabel sind in vielen Fällen die robusteste Lösung, weil sie die Dämpfung durch Wände vollständig umgehen. Erfahrungen aus Gebäuden mit mehreren dicken Wänden zeigen, dass eine einfache Ethernet-Leitung durch Keller oder Dachboden zwischen zwei Punkten oft zuverlässiger und langfristig günstiger ist als der Versuch, ein schwaches WLAN-Signal über viele Wände zu „ziehen“.

Zur Einordnung der Optionen hilft ein kurzer Vergleich.

Lösung

Stärke

Schwäche

Router versetzen

keine Zusatzhardware, beseitigt unnötige Wände

begrenzt durch vorhandene Anschlussposition

Repeater

günstig, schnell nachrüstbar

halbe Bandbreite, empfindlich für Störungen

Mesh-System

einheitliches Netz, gute Abdeckung über viele Räume

höhere Anschaffungskosten

Powerline/Ethernet

sehr stabil, überwindet beliebig viele Wände

Installationsaufwand, Qualität abhängig von Verkabelung

Spezialfall Hof, Garage und Nebengebäude

Bei Höfen, Garagen oder Nebengebäuden ist der direkte Funkweg durch mehrere Außenwände und Betondecken oft hoffnungslos. Statt stundenlang mit Repeatern zu experimentieren, ist es meist sinnvoller, einen dedizierten Zugangspunkt nahe an die Außenwand zu bringen und diese Strecke per Ethernet oder Powerline vom Hauptnetz zu speisen. Genau dieses Vorgehen wird auch in Mehrfamilienhäusern empfohlen, wenn mehrere Wohnungen über viele Wände hinweg versorgt werden sollen.

Für Nebengebäude mit Sichtverbindung kann später ergänzend ein Richtfunk-Link zwischen zwei Außenantennen sinnvoll sein, um auch dort autarke Überwachung ohne 4G zu ermöglichen – allerdings sollte ein solcher Link sorgfältig geplant und bei sicherheitskritischen Anwendungen professionell vermessen werden.

Kurze FAQ

Ist 2,4 GHz oder 5 GHz besser für Außenkameras?

Für reine Reichweite und Wanddurchdringung ist 2,4 GHz im Vorteil, während 5 GHz höhere Datenraten bietet, aber schneller an Hindernissen scheitert. In den meisten Außenüberwachungs-Szenarien ist deshalb 2,4 GHz die robustere Wahl, besonders wenn mehrere Wände zwischen Router oder Zugangspunkt und Kamera liegen. Wo Sie einen Mesh-Knoten nah an der Außenwand platzieren können, lässt sich 5 GHz wieder sinnvoll nutzen.

Reicht ein einzelner High-End-Router statt zusätzlicher Hardware?

Ein teurer Router bringt meist mehr Durchsatz und bessere Lastverteilung, verändert aber die grundlegende Physik von Wänden und Entfernung nicht. Wenn ein normaler Router an einem bestimmten Standort deutlich an mehreren Wänden scheitert, wird ein noch leistungsfähigeres Modell am selben Ort das Problem nur begrenzt lösen. Investieren Sie in solchen Fällen lieber in bessere Platzierung, zusätzliche Zugangspunkte, Mesh oder Kabelwege.

Am Ende zählt, dass jede Kamera und jeder Sensor im Alarmfall zuverlässig arbeitet. Führen Sie den beschriebenen Reichweitentest systematisch durch, markieren Sie auf dem Grundriss die „guten“ und „schlechten“ Pegelzonen und planen Sie Sicherheitsfunktionen nur dort, wo genügend Reserve vorhanden ist oder zusätzliche Infrastruktur gelegt wurde. So entsteht ein WLAN, das nicht nur schnell ist, sondern Ihre Außenbereiche verlässlich schützt – ganz ohne 4G-Abhängigkeit.

Lennart von Falkenhorst

Lennart von Falkenhorst

Lennart von Falkenhorst ist ein renommierter Experte für netzunabhängige Sicherheitstechnik mit über 15 Jahren Erfahrung in der Branche. Als „Der Sicherheits-Architekt“ verbindet er technisches Know-how in der 4G-LTE-Übertragung mit praxisorientierten Lösungen für abgelegene Außenbereiche. Sein Fokus liegt darauf, modernste Solartechnik und intelligente Überwachung nahtlos zu vereinen, um maximale Sicherheit ohne Kompromisse bei der Unabhängigkeit zu gewährleisten.